Dipl.-Psych. Nicole Ernst, Psychologische Lerntherapeutin BDP

Wenn Rechenhilfen nicht weiter bringen

Für’s Lernen gibt es zahlreiche Hilfsmittel, insbesondere im Bereich »Rechenhilfen« wird vielfältiges Anschauungsmaterial verwendet. Nicht immer hilft das den Schülerinnen und Schülern. Im Gegenteil: gerade Kindern, die noch keine sicheren Rechner sind (bzw. sich nicht als sichere Rechner fühlen) hilft das Material häufig nicht. Ein Beispiel dafür ist die 100er Tafel.

Ein beispielhafte Situation soll dies veranschaulichen:

Lina geht in die 3. Klasse und kommt wegen Dyskalkulie in meine Praxis. In der 4. Lerntherapie-Stunde möchte sie die Aufgabe 82 minus 12 rechnen. Sie hat eine 100er Tafel mitgebracht und will diese dafür nutzen. Zählend geht sie zur 80 (»10, 20, 30, …«), dann abzählend zur 2 (»1,2«). Dann zählt sie zurück: »1,2,3,…« bis zur 12. Zwischendurch verrutscht der Finger, sie fängt nochmal von vorne an. »70« kommt sie schließlich zum richtigen Ergebnis.

Alles prima also mit der Tafel? Nein.

Denn: Abzählen fördert die Rechenfähigkeit nicht. Auch häufig wiederholt kommt es zumeist nicht zu einem nachhaltigen Fortschritt, der vor allem dann auch ohne Tafel, »im Kopf«, funktioniert.

Dazu kommt: die angestrebte innere Abbildung des Zahlenraums wird in der Regel nicht in Reihen untereinander wahrgenommen.

Es gilt zu betrachten, ob das zur Förderung genutzte Material passt. Auf Nachfrage zeigen sich übrigens auch Top-Rechner von so mancher »Rechenhilfe« eher verwirrt.

So ist es nicht das Kind, mit dessen Verständnis etwas nicht stimmt.

Mitunter verwirrend - Rechenhilfen
Mitunter verwirrend – Rechenhilfen

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