Dipl.-Psych. Nicole Ernst, Psychologische Lerntherapeutin BDP

Entwicklung moralischen Verhaltens

Zur Moralentwicklung des Menschen bietet das Konzept von Lawrence Kohlberg eine Orientierung. Es differenziert Entwicklungsstufen, die auch als Hinweise zur gezielten Unterstützung moralischen Verhaltens dienen können.

Förderliche Merkmale des (Lern-) Umfeldes sind u. a. gegenseitig respektvoller Umgang und Empathie sowie regelgeleitetes und argumentatives Handeln. Reale oder erdachte Situationen können Anlass sein, das Nachdenken über eigenes Handeln anzuregen.

Stufen der Moralentwicklung nach Lawrence Kohlberg

Präkonventionelle Ebene

1. Stufe – Orientierung an Strafe und Gehorsam: Regeln werden befolgt, um Strafe zu vermeiden.

2. Stufe – Orientierung an Kosten-Nutzen und Gegenseitigkeit: Verhalten beruht auf Gegenseitigkeit, es gilt die einfache Regel »wie du mir so ich dir«.

Konventionelle Ebene

3. Stufe – Orientierung an gegenseitigen Erwartungen: Handeln orientiert sich an den Erwartungen von Bezugspersonen bzw. Autoritäten.

4. Stufe – Orientierung an sozialem System und Gewissen (»Recht und Ordnung«): Erkennen, dass moralische Normen für das Funktionieren der Gemeinschaft wichtig sind.

Postkonventionelle Ebene

5. Stufe – Orientierung am sozialen Vertrag oder individuellen Rechten: Normen werden hinterfragt und nur noch als verbindlich angesehen, wenn sie gut begründet sind. Bestimmte Normen werden aufgrund von Gedanken an Gerechtigkeit und dem Nutzen für alle akzeptiert. Ca. 25% der Menschen erreicht diese Stufe.

6. Stufe – Orientierung an universellen ethischen Prinzipien und dem Prinzip zwischenmenschlicher Achtung. Richtiges Handeln wird mit selbst gewählten ethischen Prinzipien, die sich auf Allgemeingültigkeit und Widerspruchslosigkeit berufen, in Einklang gebracht. Es gelten abstrakte Prinzipien (nicht mehr konkrete moralische Regeln). Konflikte sollen argumentativ und unter zumindest gedanklicher Einbeziehung der Beteiligten gelöst werden. Nur weniger als 5 % erreicht diese Stufe.

Entwicklungsorientiert verbindet Kohlberg die einzelnen Stufen nicht mit bestimmten Altersangaben, sondern geht vielmehr davon aus, dass der Mensch sich das ganze Leben innerhalb dieser Stufen entwickeln kann.

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