Dipl.-Psych. Nicole Ernst, Psychologische Lerntherapeutin BDP

Was Erwachsene von Computerspielen lernen können

Motivation kann ja so ein Thema sein. Motivation für das schulische Lernen. Viele Eltern, Lehrerinnen und Lehrer kennen die Unlust gerade manch älterer Schülerinnen und Schüler, mitzumachen, Hausaufgaben zu erledigen, zu lernen.

Dafür kann es viele individuelle, nachvollziehbare Gründe geben, die im Einzelfall in der Praxis angeschaut werden.

Einen eher allgemeinen Grund erwähnen Schülerinnen und Schüler selbst häufiger, Tim (14) formuliert ihn so:

Es fehlt in der Schule an Ermutigung und Wertschätzung.

Individuelle Lernfortschritte werden demnach weniger hervorgehoben als das, was fehlt oder noch falsch ist.

Aber was motiviert dann andererseits (auch) zum Spielen an PC oder Konsole? Auch hier hat Tim eine Beobachtung gemacht:

In vielen Tutorials an PC oder Konsole gibt es für die richtige Umsetzung einzelner Spiel-Schritte direkt ein positives Feedback wie: »Wo hast Du so gut schießen gelernt?«, auch wenn Fehlschüsse dabei sind. Genauso wie »Glückwunsch!« oder »Sie haben bestanden!« bei erfolgreichem Abschluss. Manchmal werden auch Zeiten angezeigt, dann möchte man es in den meisten Fällen noch mal besser machen und es entsteht eine kleine Rivalität unter den Spielern.

Während an PC oder Konsole wertschätzendes Feedback erlebt wird, stehen im Klassenraum oder beim Arbeiten Zuhause oft Fehlervermeidung und Angst vor schlechten Noten und negativen Kommentaren im Vordergrund und erschweren erfolgreiches Lernen.

Und dort, wo das Vertrauen in den Umgang mit Fehlern fehlt, reagieren nicht wenige Schülerinnen und Schüler mit Selbstschutz wie Vermeiden, Verdrängen, Ignorieren, Passivität, u.ä..

»Das kannst Du besser« z. B. unter Arbeiten soll motivieren, aber mich demotiviert es eher.

Schülerinnen und Schüler wünschen sich demnach konstruktives und wertschätzendes Feedback sowie bewertungsfreie Räume mit positiver, sensibler Fehlerkultur.

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